Freiwilliges Ökologisches Jahr – Im Dienste der Natur

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Es ist noch gar nicht so lange her, dass Umweltfragen in die Diskussionen von Gesellschaft und Politik Einzug gehalten haben. Nachdem große Teile der Bevölkerung begonnen haben, sich für den Erhalt der Natur stark zu machen und das Thema nicht mehr wegzudenken ist, gibt es seit gut 20 Jahren auch die Möglichkeit sich als junger Mensch im Rahmen eines Freiwilligen Ökologischen Jahres für Umwelt, Ökosystem und Natur zu engagieren. Wer einen Beruf in diesem Bereich ergreifen will, vielleicht aber noch nicht genau weiß, in welcher Sparte genau, der kann in einem ersten Schritt ein FÖJ absolvieren. Bei dem Programm handelt es sich um ein Bildungs- und Orientierungsjahr im Rahmen eines Praktikums, in dem die Freiwilligen für die Umwelt tätig werden können, um ökologische und umweltpolitische Zusammenhänge in ihrem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontext besser verstehen zu können. Das heißt, es geht um Naturschutz und darüber hinaus um die Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Zum Beispiel gehört es dazu, sich neben dem Schutz und der Wiederherstellung der Ökologie eines Waldgebietes auch damit auseinanderzusetzen, welche Auswirkungen ein solches Schutzprogramm auf die Waldwirtschaft hat, mit welchen wirtschaftlichen, rechtlichen und finanziellen Auswirkungen und Interessenskonflikten daraus erwachsen, was etwa den Gewinn oder den Wegfall von Arbeitsplätzen betrifft. Zu den Trägerorganisationen, die ein FÖJ anbieten, gehören zum Beispiel Naturschutzverbände, Einrichtungen der Umweltbildung, Schulbauernhöfe, Tierpflegestationen oder Naturparkzentren. Du bist hier richtig, wenn Du naturverbunden bist, Dich gern in der Natur aufhältst und Dich für Ihren Erhalt stark machen willst. Es wird gern gesehen, wenn Du bereit bist, Verantwortung zu übernehmen. Viele der Praktika setzen voraus, dass Du körperlich arbeitest.

Unterschiedliche Ausrichtungen

Ein FÖJ muss kein ganzes Jahr dauern, mindestens jedoch sechs Monate, in denen Du als Praktikant arbeitest in einem umweltrelevanten Beruf arbeitest. Hier sind die Möglichkeiten vielfältig:

– Ganz klassisch ist ein FÖJ in der Landschafts- und Forstpflege oder dem Naturschutz, bei dem man Mithilfe beim praktischen Arten- und Biotopenschutz sowie in der ökologischen Forstwirtschaft leistet. Beliebt ist auch der Bereich der ökologischen Landwirtschaft, des Gartenbaus und der Tierpflege. Hier musst Du richtig mit anpacken, wenn Bäche renaturiert, Teiche gereinigt werden. In der Landwirtschaft wollen Tiere gefüttert, gemolken und auf die Weide gebracht werden. Zur Land- und Gartenarbeit gehören die üblichen Bauernarbeiten wir Bodenbereitung, Säen und Ernten. Dies ist etwas für Menschen mit Spaß an körperlicher Arbeit.

– Interessenten, die an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen interessiert sind, gehen in die Umweltbildung. Hier werden beispielsweise Seminare und Führungen vorbereitet oder Lehrmaterialien gestaltet, um bei Schülern das Bewusstsein für den Natur- und Umweltschutz zu schärfen.

– Selbstverständlich gibt es auch einen technischen Bereich, in dem im Labor Proben auf Schadstoffe untersucht werden oder die Auswirkungen von Technik, Chemie und Industrie auf die Umwelt untersucht werden. Energieversorger und Kraftwerke werden so unter die Lupe genommen.

– In einigen Organisationen steht auch die Öffentlichkeitsarbeit im Vordergrund. Dabei geht es vom investigativen Journalismus bis zu klassischen Public Relations, in denen Verbände ihre Sicht der Dinge verbreiten. Hier recherchierst Du, verfasst Pressemitteilungen oder Artikel, betreust Informationsveranstaltungen und Messen.

Rahmenbedingungen

Die Rahmenbedingungen sind in etwa die Folgenden: Das FÖJ bietet jungen Menschen im Alter zwischen 16 und 27 Jahren die Möglichkeit für persönliches Engagement an einer naturnahen Einsatzstelle. Die Arbeitszeit beträgt bis zu 40 Stunden die Woche und wird mit einem monatlichen Taschengeld vergütet. Diese Vergütung variiert je nach Bundesland zwischen 180 und 370 Euro pro Monat. Manche Institutionen bieten den Praktikanten Kost und Logis an, so dass sich der Auszahlungsbetrag verringert. Dabei ist zu beachten, dass der Kindergeldanspruch der Eltern bestehen bleibt. Insgesamt betrachtet arbeitest Du also weitgehend unentgeltlich – für einen guten Zweck eben. Interessant ist, dass die Organisationen, die ein FÖJ anbieten, sich zusammengeschlossen haben und für Ihre Leute ein Seminarprogramm anbieten. Insgesamt kann man für fünf Wochen im Jahr an Kursen und Weiterbildungen zu verschiedenen ökologischen Themen teilnehmen.

Interessant ist, dass das FÖJ der einzige Freiwilligendienst in Deutschland ist, der sich gezielt einer gelebten Demokratie verschrieben hat. So gibt es ein basisdemoktratisch aufgebautes System von sogenannten Sprechern. Alle FÖJ-ler wählen Sprecher ihrer Gruppe, die sich dann wieder auf Landes- und Bundesebene organisieren und die Interessen der Freiwilligen gegenüber den Institutionen vertreten, in denen sie dienen.

Organisation

Wer sich für ein FÖJ bewerben möchte, wendet sich an einen anerkannten Träger. Dieser informiert über die verschiedenen Einsatzbereiche und Einsatzstellen und ist für den Bewerbungsprozess zuständig. Aufgepasst, Die Bewerbungsfristen sind nicht einheitlich, daher lohnt es sich, sich frühzeitig zu informieren. Über die über 50 Organisationen, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr anbieten, informiert die Seite des Förderverein Ökologische Freiwilligendienste (FÖF) e. V., die unter https://foej.de erreichbar ist.

Vorteile

Die Vorteile eines Freiwilligen Ökologischen Jahres liegen in seiner spezialisierten Ausrichtung. Wer sich für Berufe rund um Umweltschutz Ökologie interessiert, der kann durch eine praktischen Tätigkeit, wertvolle Einblicke in verschiedene Berufe erhalten und erste ganz praktische Erfahrungen sammeln, sich aber auch im Rahmen des Seminarprogramms bereits spezialisiert weiterbilden. Die gelebte Demokratie der Dachorganisation ist eine weitere Facette, die das FÖJ interessant macht. Auch besteht die Möglichkeit, bis zu zwei Wartesemester für ein späteres Studium zu sammeln, während man seine Kraft in den Dienst der Natur gestellt hat.