Captain Future und Alexander Gerst – Vom Geophysiker zum Astronauten

2.11.2015, Berlin, Berlin, GER – ESA-Astronaut Alexander Gerst im Portrait.

Captain Future hat Alexander Gersts Neugier für den Weltraum geweckt. Er hat oft erzählt, dass er als Kind die Zeichentrickserie mit Begeisterung geschaut hat. Eine Zeichentrickserie weckte den Wunsch dieser eigenwilligen Berufswahl. Gerst wollte damals schon Astronaut werden, hatte den Traum ins All zu fliegen. Noch nicht zehn Jahre alt interessierte er sich für Space Shuttle und verschlang Bücher über die neuesten Raumschiffe. Zugleich faszinierten ihn auch Vulkane und Phänomene des Wetters und der Erdatmosphäre wie z. B. Stürme. Seine Familie hat seine Interessen und Neigungen unterstützt.

Geophysik – ein Studiengang mit Zukunft

Weil die Chance, Astronaut zu werden, dann doch gering ist, studierte Gerst zunächst Geophysik. Das ist die Wissenschaft von der Physik der Erde, wobei man nicht bei den physikalischen Eigenschaften und Prozessen des Erdinnerns und der Erdkruste stehenbleibt, sondern auch die Atmosphäre und die Planeten einbezieht. Auch die technischen Methoden, wie man diese erkunden kann, sind Teil dieser Wissenschaft. Mit ihnen arbeitet man später im Beruf. Im Studium lernt man mathematisch-physikalische Theorien und Messverfahren kennen, mit denen man Aussagen zu den Abläufen in und um unseren Planeten treffen kann. Erdbeben, Plattentektonik, Magnetik, Erdanziehung, Meteorologie, Erkundung von Bodenschätzen und Lagerstätten geothermischer Energie – das alles gehört zum Feld der Geophysik. Grundlagen des Studiums sind Fächer wie Experimentalphysik, theoretische Physik, Analysis, Vektorenanalyse, lineare Algebra und mittlerweile auch moderne Datenverarbeitung und Programmieren. Man sollte also eine ausgeprägte Neigung zu Physik und Mathematik haben. Geduld und Fleiß gehören wie in jeder Wissenschaft auch dazu. Als Geophysiker ist man im Beruf immer damit beschäftigt, nach streng mathematisch-physikalischer Methodik Phänomene wie Stürme, Erdbeben, Bodeneigenschaften, Graviationskraft etc. zu messen oder zu berechnen. Oft entscheidet man sich bereits während des Studiums, welchen Weg man einschlägt. Denn das Studium ermöglicht den Einstieg in verschiedene Sparten. Unternehmen, die auf dem Gebiet der Rohstoffgewinnung (Bergwerke, Ölbohrfirmen etc.) oder des Tief- und Tunnelbaus tätig sind, Behörden für den Bereich der Mülllagerstätten und der Bauplanung, Ingenieurbüros, die Stabilitätsmessungen an Gebäuden, Talsperren, Deichen und am Baugrund vornehmen, aber auch Forschungseinrichtungen an Universitäten – sie alle suchen Geophysiker.

Spezialist für Vulkane

Alexander Gerst hat mit Begeisterung studiert, die Faszination für Vulkane war immer geblieben. Bereits während des Studiums nahm er an wissenschaftlichen Expeditionen teil, die die feuerspeienden Berge in der Anarktis erforschten. Weil er einer von den Neugierigen ist, blieb er auch nach dem Diplomabschluss in Geophysik in der Forschung. Von 2004 bis 2005 arbeitete er am Institut für Geophysik der Universität Hamburg, wo er neue Instrumente für die Forschung an Vulkanen entwickelte. In seiner Doktorarbeit, die er ab 2005 schrieb und mit der er 2010 promoviert wurde, behandelte er die Eruptionsdynamik eines antarktischen Vulkans. Die Arbeit förderte neue Erkenntnisse zur Vorhersagbarkeit von Vulkanausbrüchen zutage. Gerst wurde so ein erfolgreicher Wissenschaftler.

Astronaut – ein „Extremberuf“

Und gleichzeitig träumte er immer noch vom Flug ins All. Daher bewarb er sich zusammen mit mehr als 8400 Bewerbern bei der European Space Agency (ESA) und wurde als einer von sechs neuen Astronauten angenommen. In dem Auswahlverfahren musste er sich als Multitalent beweisen: Wer kann schon bei mehr als 20 Grad Celsius unter Null in der Wildnis überleben und auch noch bei einem Kollegen eine Zahnfüllung einsetzen? Gerst bestand diese Probe. Astronauten müssen vielseitig und fähig sein, unter Extrembedingungen zu arbeiten. Das setzt körperliche Fitness, Nervenstärke und Teamgeist voraus. Und um das All zu erforschen – das heißt dort zu arbeiten, zu überleben, Messungen vorzunehmen, Proben zu entnehmen und Auswertungen vorzunehmen – dazu braucht man spezielle Kenntnisse. Die erwarb er in einer zweijährigen Grundausbildung in russischer Raumfahrttechnik in Moskau und der Raumfahrerausbildung im europäischen Astronautenzentrum in Köln. Weitere Vorbereitungen in den Bereichen Medizin, Raumfahrttechnik, Weltraumforschung und Sprachtrainings in Russisch schlossen sich an. Dann startete Gerst mit zwei Kollegen im Mai 2014 mit einer Trägerrakete ins All. Dort arbeitete er sechs Monate lang als Bordingenieur der Weltraumstation ISS und führte Experimente etwa im Bereich der Materialphysik und der Astrophysik durch. Zurück auf der Erde war er an den Auswertungen der Experimente beteiligt und ist mittlerweile ein zweites Mal ins All geflogen – insgesamt eine steile Karriere.

Neugierde und Vorsicht

Geophysiker und Astronaut sind zwar einander ergänzende, aber auch sehr unterschiedliche Berufe. Gerst ist zu beiden gekommen, weil ihn neben einer seit Kindheitstagen umtreibenden Leidenschaft für die Erde und das All immer die Entdeckung des Neuen umgetrieben hat. Er hat es einmal so ausgedrückt, dass er alles, was er nicht versteht, zu ergründen versucht. Die Begeisterung und Neugierde ließen Gerst aber nicht etwa planlos ins Berufsleben starten. Er hat sich selbst einmal als eher risikoscheuen Menschen bezeichnet. Und bei der Studienwahl war es sicherlich eine überlegte und kluge Entscheidung, Geophysik zu studieren und nicht etwa Astronomie. Denn ein Studienabschluss in Geophysik ermöglicht Berufschancen in ganz unterschiedlichen Bereichen. Zugleich ist Alexander Gerst der Auffassung, dass es wichtig ist, seinen Träumen eine Chance zu geben. Mit der Bewerbung bei der ESA hat er das getan. Auch wenn Gerst nur halb so viele gute Bedingungen für Lebensweg und Karriere vorzuweisen hätte, wäre er wahrscheinlich weit gekommen. Er hatte sich jedoch alle, vielleicht dazu noch ein bisschen Glück. Jetzt schaut er sich die Erde von außen an. 

Wenn Sie erfahren wollen, ob Sie sich zum Geophysiker oder Astronauten eignen, dann kommen Sie zu uns zur Berufsberatung. Zusammen mit Ihnen arbeiten wir gern an Ihrer Berufswahl und planen gemeinsam Ihren Weg ins Berufsleben.